Reklame auf Platt
van det an dat op Platt(en)
Wer das unscheinbare Ladenlokal in der Herzogstraße betritt, taucht in eine andere Welt ein. Mit dem Schritt über die Schwelle verläßt man das 21.Jahrhundert und wird innerhalb von Sekunden um mehrere Dekaden zurückversetzt. Was Helmut van Bebber hier auf wenigen Quadratmetern in höchster Dichte versammelt hat, ist schier unglaublich. Möbel, technisches Gerät, Werbeplakate, Spielwaren oder auch Utensilien des täglichen Bedarfs vermitteln einen Eindruck vom Leben längst vergangener Tage. In jeder Ecke entdeckt man Zeitzeugen seiner eigenen Jugend. Längst vergriffen geglaubte Bücher - mit ein wenig Glück findet man sie hier. Und so ist es nur logisch, wenn das breit gefächerte Angebot aus alter Zeit auch mit Hilfe der Sprache aus alter Zeit beworben wird, denn hier gibt es eben "van det en dat." Ja mehr noch! Das Wortspiel "van det en dat op Platt" soll ein augenzwinkernder Hinweis auf die stattliche Sammlung von mehr als 8000 Langspielplatten sein, die - wie die meisten anderen Artikel auch - käuflich zu erwerben sind.
Kartoffelhof Hövelmann
Wenn Michael Hövelmann sich des Dialektes bedient, um für seinen Bauernmarkt in Kleve zu werben, dann spielt neben dem Geschäftsinteresse auch das Herzblut eine Rolle. Der 40-jährige ist auf einem Bauernhof groß geworden. Dort war, wie auf vielen anderen Höfen auch, Platt die Umgangssprache. "Opa, Oma, Eltern, Verwandte, Kunden, Lieferanten - alle sprachen Platt miteinander. An ek als Blaag satt medden dortösse" erklärt Hövelmann. "Hier hat meine Liebe zum Dialekt ihren Ursprung." Diese Liebe hat so bis heute gehalten und sie bestimmte auch sein Handeln, als es darum ging, für den "Kartoffelhof Hövelmann" Werbung zu machen. In seiner 350 Jahre alten Verkaufshalle scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Vieles hier erinnert an "denn gujen alden Tidd." In diesem Ambiente ist es fast schon selbstverständlich, daß man Platt spricht. "Dütt minn mar drij Stöckskes Kuuk för de Koffie vanne Meddag" hört man an der Bäckereitheke. "Wie düür sinn de Erpele" fragt jemand quer über Gemüsestand und Frischblumen. "Wann heij dann werr de erste Sprütte?" will ein Ungeduldiger wissen. Hövelmann bleibt keine Auskunft schuldig - auf Platt versteht sich. So wundert es nicht, daß er die Radioreklame für sein Geschäft auch auf Platt produzieren ließ. "Den Text habe ich selber eingesprochen, den Rest haben die Profis einer Werbeagentur erledigt. Seit einigen Wochen läuft der Spot auf Antenne Niederrhein [234 KB] ." Manche Kunden sprechen ihn direkt darauf an, finden die Idee gut, was besonderes. Platt hört man eben nicht alle Tage im Radio und schon gar nicht bei der Reklame. Offensichtlich ist der Dialekt auch in der modernen Medienlandschaft ein Pfund, mit dem man erfolgreich wuchern kann. Folgerichtig wurde inzwischen ist auch schon der zweite Spot [234 KB] produziert - ok werr op platt.
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