Erklärungen der Redaktion
En Päär op et Oog hämme
Wörtlich übersetzt:"Eine Birne auf dem Auge haben."
Hier geht es nicht um das Plattdeutsche Pendant zu Hochdeutschen Veilchen. Eine Birne hat man dann auf dem Auge, wenn man zuviel getrunken hat oder "de Kont deck hät", "onder Peekel steht", "van de Füüt af es." Warum es ausgerechnet eine Birne ist und nicht ein Apfel, Pfirsich oder sonstwas, konnten wir bis jetzt noch nicht klären.
Die hät bloß Ärten op et Plänkske.
Wörtlich übersetzt:"Sie hat nur Erbsen auf dem Brettchen."
Dass es hier nicht um eine Marktfrau geht, die in Ermangelung anderer Waren nur Hülsenfrüchte anbietet, kann man schon ahnen. Natürlich handelt es sich bei den Ärten (Erbsen) nicht um buchstäbliches Gemüse. Vielmehr ist hier der zu klein geratene Busen einer Frau gemeint. Die Machos im alten Kleve kommentierten diesen meist offensichtlichen Mangel gerinschätzig mit:"Die hät bloß Ärten op et Plänkske."
De Fiss van de Kont jaage.
Vorsichtig übersetzt:"Die Flatulenzen loswerden."
Was im Hochdeutschen auszusprechen kaum erlaubt ist und anstössig wirkt, gehörte im Platt schon fast zu täglichen Ausdrucksweise. Dabei konnte:"Ek gonn es effkes de Fiss van de Kont jaage" einmal wörtlich verstanden werden. Aus Rücksicht auf seine Mitbewohner begab man sich vor die Türe, um sich dort seiner Blähungen zu entledigen. Zum anderen gab es auch eine übertragene Bedeutung, die soviel hieß wie:"Ich geh mal eben an die frische Luft die Beine vertreten." - und zwar ohne Hintergedanken.
Se sinn in onsen Boss on't haue.
Frei übersetzt:"Man schlägt (Holz) in unserem Wald."
Mit Holzfällern hat der Spruch allerdings überhaupt nichts zu tun, man hört ihn eher auf dem Friedhof. Wenn der Tod mal nicht - wie erwartet - einen der Alten geholt hat, sondern bei der nächstjüngeren Generation Beute macht, heißt es unter den Verbliebenen:"Se sinn in onsen Boss on't haue", wohl ahnend, dass über Kurz oder Lang die Säge auch bei ihnen selbst angesetzt wird. Der Tod ist gar nicht mehr so weit weg, wie man sich das wünscht. Er hält sich nicht an die Reihenfolge des Alters. Er schlägt im Wald des Lebens diesen oder jeden Baum, unabhängig von menschlichen Überlegungen. Und wenn es mal die Generation trifft, die eigentlich noch nicht an der Reihe ist, dann hört man diese Lebensweisheit
Hej hät ene Böngel ant Been.
Der Klotz am Bein.
Eigentlich war ein Böngel eine Art bewußt eingesetzte Laufbehinderung für Pferde. Um sie besser einfangen zu können, wurde ihnen ein Klotz ans Vorderbein gebunden. Der berühmte Klotz am Bein also, der inzwischen sprichwörtlich geworden ist. Die platte Redensart meint hier aber im Besonderen uneheliche Kinder, die man versorgen mußte oder auch eine Ehefrau, die nach der Heirat ihr wahres Gesicht zeigte und so zu einem "Böngel ant Been" geworden war.
Et es niet alle Daag Kermes, määj es ok Prozässie
Natürlich geht es hier nicht um die banale Feststellung, dass die Kirmes kein ganzes Jahr dauert und eine Prozession eher selten durch das Land zieht. Kirmes und Prozession sind vielmehr Platzhalter oder Synonyme für Tiefsinnigeres. Die Kirmes als Symbol für Lebenslust, Ausgelassenheit, Frohsinn, Unbeschwertheit, feiern, tanzen, hat ihren Platz im Leben eines jeden. Aber sie ist kein Dauerzustand, denn "määj es ok Prozässie" manchmal ist eben auch Prozession. Will sagen, es kommen Tage voll Sorge und Not, Ernsthaftigkeit und Beschwernis - und die sind meist in der Mehrzahl. Immer dann, wenn jemand den Freuden des Leben allzusehr zugeneigt ist, holt ihn diese Redensart wieder auf den Boden der Realität zurück.
Bäter Pitje bang als Pitje doot
Auch wenn Pitje direkt beim Namen genannt wird, geht es hier nicht nur um ihn. Er steht vielmehr als Platzhalter für all jene, die eine ähnliche Geisteshaltung offenbaren, wie "Pitje." Und Pitje zählte zu der Sorte Mensch, die man als Feiglinge bezeichnet. Unser Dialekt hält noch andere Bezeichnungen für derart zart Besaitete parat. Bangeschitter oder Ängstköttel, um nur zwei nennen. Kurzum, Pitje gilt lieber als Feigling, als sich der Gefahr auszusetzen, Schaden an Leib und Leben zu nehmen, ist also lieber "bang" als "doot"
Half satt es wechgeschmeete Gäld
Meist hört man diesen Spruch wohl in geselliger Runde. Mit dieser Redewendung entschuldigt man einerseits das ungehemmte Weitertrinken, obwohl es vernünftiger wäre aufzuhören, andererseits animiert man seine Zechkumpane dazu, doch noch ein Glas mitzutrinken. Allerdings ist die Bedeutung der Redensart weitreichender, als die wörtliche Übersetzung vermuten läßt. Mit ihrer Hilfe kann man z.B. auch dazu auffordern, eine Sache, ein Vorhaben, eine Arbeit ect. zu Ende zu bringen. Etwas nicht auf halbem Weg liegen zu lassen, keine halben Sachen zu machen oder wie es auf Platt heißt, "gennen halfe Kroom te maake."
Met en Höpke Look köj ok Wind maake.
Mit ein paar Zwiebeln kann man auch Wind machen. Die buchstäbliche Bedeutung bedarf keiner weiteren Erklärung. Aber wie so oft, hält der Dialekt auch hier eine Überraschung bereit. Erst bei genauerem Hinsehen erkennt man die Verwandtschaft zu einer hochdeutschen Redensart:"Aus einer Mücke einen Elefanten machen." Die niederländische Variante lautet (vorsicht derb) "Van eene Scheet eenen Donderschlag maake." Diesen Spruch hielt man im alten Kleve denjenigen entgegen, die zur Übertreibung neigten, den Schwätzern und Angebern, die - um es mit einem anderen Spruch zu sagen - "Vööl Gedrüss öm nex maake"
Ek mot es effkes noar de Päärd gonn kieke
Auch wenn es sich so anhört, mit Tierliebe hatte dieser Ausspruch nur bedingt etwas zu tun. Verdächtig ist auch, daß man diese Worte nur aus dem Munde von Männern vernehmen konnte. Ein Blick auf den Grundriß eines typischen niederrheinischen Bauernhofes bringt uns der Lösung näher. Die Pferde, nach denen man angeblich schauen wollte, standen am Ende der Dääl in der Nähe des großen Tores, das nach draußen führte. Wohnhaus und Dääl befanden sich unter einem Dach, sodaß man die Pferde auch bei schlechtem Wetter ziemlich bequem erreichen konnte. Hier, an den Pferdeboxen oder bei gutem Wetter ein paar Meter weiter unter freiem Himmel, entledigte sich "Mann" seines kleinen Geschäftes. Das er dabei auf Hin-und Rückweg an den Pfden (und Kühen und Schweinen) vorbeikam, war praktisch aber nebensächlich. Kurzum: wer früher mal "effkes noar de Päärd kieke ging" wollte lediglich ein natürliches Bedürfnis befriedigen.
Now modde wej blos noch en Glasspann lägge.
Nachbarschaftshilfe wurde früher noch groß geschrieben. Ohne die Hilfe der Nachbarschaft waren manche Projekte erst gar nicht zu verwirklichen. Dazu gehörte auch der Bau eines Hauses. Wo immer viele fleißige Hände gebraucht wurden, war es für eine Straßengemeinschaft oder gar für ein ganzes Dorf selbstverständlich mit anzupacken – unentgeltlich versteht sich. Wurde z.B. ein Dach gedeckt, waren Helfer nötig, die eine Kette bildeten, um die Pfannen vom Lagerplatz bis hin zum Dachfirst zu befördern. Nach getaner Arbeit hörte man dann die Aufforderung an den Bauherrn:“Now modde wej bloß noch en Glasspann lägge.“ Gemeint war natürlicht nicht eine buchstäbliche Glaspfanne (obwohl es die gibt) sondern ein mit Alkohol gefülltes Glas. Das war dann meist der einzige Lohn für die Helfer und da war auch keiner, der mehr erwartet hätte.
Den liegt, dat man öm in de Näck de Klomp anfülle
Hier muß man wohl um die Ecke denken und den Umweg über eine andere Redensart nehmen, um zum Ziel zu kommen. “Lügen haben kurze Beine“ heißt es im Hochdeutschen und will sagen, dass der Lügner nicht weit kommt oder dass die Lügen ihn bald einholen werden. Im platten Gegenstück hat der Lügner derart kurze Beine, dass er gerade noch mit dem Kopf aus einem Holzschuh ragt und man ihm deshalb "den Klomp in de Näck anfülle kann."
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